Wie kann ich die Entwicklung der Sehkraft meines Kindes optimal unterstützen? von Caroline Ebert

Kennen Sie den Spruch »Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr«? In Bezug auf das Sehen ist er ebenso falsch wie die häufig zu hörende Aussage „Die Fehlsichtigkeit ist bei mir angeboren, da kann man nichts mehr machen“. Vor einigen Jahren kam ein 54-jähriger Mann zu einem meiner Seminare und hat innerhalb von vier Tagen seine Sehleistung – trotz »angeborener« Sehschwäche – von 10 % (mit Brille) auf 30 % (mit gleicher Brille) anheben können. Durch Übungen auf die Entwicklung der Augen Ihres Kindes einzuwirken, ist also erfolgversprechend, auch wenn Ihnen erzählt wird, dass eine Brille oder Kontaktlinsen die einzig sinnvolle Lösung sind. Gezielte Sehspiele können die Entwicklung der Augen von Kindern sinnvoll fördern.

Doch zunächst muss erst einmal erkannt werden, ob Ihr Kind Probleme beim Sehen hat. Hierfür gibt es verschiedene Testmöglichkeiten, die Sie mit Ihrem Kind durchführen können. Selbstverständlich sollten Sie auch die regelmäßigen Augenuntersuchungen durch Augenärzte einhalten. Wichtig zu wissen ist, dass jeder Mensch mit einer Sehleistung von nur ca. 10 % auf die Welt kommt. Die Augen entwickeln sich besonders stark in den ersten sieben Lebensjahren. In dieser Phase – aber auch weit darüber hinaus – können Eltern und Kinder viel für die optimale Entfaltung der Sehkraft tun. Haben Sie keine Angst, wenn sich die Augen Ihres Kindes noch nicht altersentsprechend entwickelt haben, sondern nehmen Sie die Verantwortung dafür selbst in die Hand!

Innerhalb der ersten sechs Monate bilden sich allmählich der Blinzelreflex sowie der Pupillenreflex aus. Sie können dies ab dem 6. Monat überprüfen, indem Sie bei Ihrem Baby mit einer Taschenlampe seitlich ganz vorsichtig ins Auge leuchten. Achten Sie darauf, ob sich die Pupillen bei Lichteinfall gleichmäßig zusammenziehen. Kinder können sich sehr gut auf unterschiedliche Lichtverhältnisse einstellen. Deshalb ist es für die Entwicklung der Augen besonders wichtig, dass Babys und Kleinkinder ausreichend Tageslicht bekommen. Unser Körper und unsere Augen sind perfekt auf das Tageslicht abgestimmt. Daher ist es nicht notwendig, dass Babys oder Kleinkinder eine Sonnenbrille tragen. Ganz im Gegenteil: Für die Entwicklung der Augen ist es schädlich, denn die Netzhaut kann sich nicht richtig entwickeln. Die Optikindustrie macht Eltern oft Angst, dass das Auge durch UV-Licht geschädigt wird. Doch die Pupillen der Kleinen können sich so gut auf das Licht einstellen, dass nur sehr geringe Anteile des UV-Lichtes ins Auge dringen. Ausnahmen sind natürlich Aufenthalte am Meer oder an einem Gletscher, wo die UV- und auch die sonstige Lichteinwirkung viel intensiver ist. Wenn Kinder aber zu früh regelmäßig eine Sonnenbrille tragen, führt dies dazu, dass sie sich nicht mehr so gut auf die unterschiedlichen Lichtverhältnisse einstellen können und dadurch lichtempfindlich werden. Zusätzlich verhindern Sonnenbrillen die optimale Entwicklung der Sinneszellen auf der Netzhaut. Für eine gute Entwicklung der Netzhaut benötigen Kinder tagsüber Tageslicht und nachts Dunkelheit. Wissenschaftlich ist längst belegt, dass Lichtquellen im Dunkeln Kurzsichtigkeit bei Kindern fördern. Bitte verzichten Sie also auf Gute-Nacht-Licht und Co.

Innerhalb der ersten Lebensmonate lernt Ihr Kind, die Augen gleichmäßig zu bewegen. Bis zum 6. Monat ist es völlig normal, dass die Augen noch unkoordiniert in die Welt blicken. Danach sollten die Augen die meiste Zeit parallel stehen und kaum noch Schielstellungen erkennbar sein. Sie können prüfen, ob ihr Kind mit beiden Augen in die gleiche Richtung schaut, wenn Sie sich vor ein Fenster stellen und das Baby in Richtung des Fensters halten. Achten Sie darauf, wo im Auge sich das Bild des Fensters spiegelt. Befinden sich die Reflexionen bei beiden Augen an der gleichen Stelle? Wenn dies nicht der Fall ist, sollten Sie die Augenbewegungen durch Fingerspiele fördern. Indem Sie Fingerpuppen, Teddybären o.Ä. im Blickfeld Ihres Kindes langsam hin- und herbewegen, können Sie testen, ob sich die Augen gleichmäßig in alle Richtungen bewegen können. Beobachten Sie auch, ob Ihr Kind auf Geräusche reagiert und den Kopf in deren Richtung dreht.

In der nächsten Phase – der Krabbelphase – ist es wichtig, darauf zu achten, ob Ihr Kind die Krabbelbewegung korrekt durchführt. Denn diese ist auch wichtig für die Koordination der beiden Augen sowie die Bildverarbeitung im Gehirn.

Wenn Ihr Kind langsam größer wird, beobachten Sie, wie sich die Auge-Hand-Koordination entwickelt. Greift Ihr Kind gezielt Gegenstände? Oder hat es Schwierigkeiten in der Feinmotorik? Auch die Augenbeweglichkeit wird in dieser Phase noch verfeinert. Prüfen Sie weiterhin, ob Ihr Kind Gegenstände in alle Richtungen verfolgen kann. Machen die Augen fließende Bewegungen? Weicht ein Auge in einer Sehrichtung ab, oder blicken beide Augen koordiniert in alle Richtungen? Machen die Augen eine Einwärtsbewegung, wenn Sie einen Gegenstand annähern (auf die Nasenspitze zuführen)?

Langsam werden auch Bilderbücher interessant. Beobachten Sie Ihr Kind: Kann es Farben unterscheiden? Kann es Formen und Bilder erkennen und deuten? Malt Ihr Kind nach dem 5.–6. Lebensjahr beim Ausmalen von Bildern noch über die Linien?

Ab dem 8. Lebensjahr können Sie feststellen, ob Ihr Kind räumliches Sehen entwickelt hat, wenn Sie ihm eine Schnur mit 3 Perlen hinhalten. Das Kind soll auf die mittlere Kugel blicken. Erkennt es zwei Schnüre? Sieht es beim Blick auf die mittlere Kugel insgesamt 5 Kugeln? Wenn dies nicht der Fall ist, sollten Sie das räumliche Sehen mit Ihrem Kind trainieren.

Im Schulalter lernt Ihr Kind viele neue Fertigkeiten wie Lesen und Schreiben oder Rechnen. Verhält es sich plötzlich anders, zieht es sich zurück oder sind andere auffällige Verhaltensmuster zu beobachten, kann es sein, dass es sich im sozialen Umfeld unwohl fühlt. Emotionaler Stress wirkt direkt auf das Sehen und kann zu einer Fehlsichtigkeit führen. In der Regel tritt diese aber erst später auf. Wenn Sie jetzt aufmerksam sind, können Sie Ihrem Kind vorab helfen, es emotional stärken und somit eine Fehlsichtigkeit vermeiden. Beobachten Sie auch, ob Ihr Kind beim Sehen die Augen zusammenkneift oder ihm die Augen brennen. Dies sind häufig Hinweise auf eine beginnende Fehlsichtigkeit. Je früher Sie dies erkennen, desto besser sind die Chancen, die Entwicklung wieder in die richtige Bahn zu lenken.

Caroline Ebert

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